«Der Schwitaliener»

«Der Schwitaliener»

Der Autor – Pietro Viscardi

Über Pietro Viscardi – das Interview mit dem Buchautor, geführt von Daniela Viscardi

Piero, warum ein Buch?

«Es ist eine komplexe Geschichte. Viele Menschen reden über Integration, da in der Schweiz immer mehr Menschen aus verschiedenen Ländern leben. Meine persönlichen Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich das Konzept der «Integration» in Frage stelle. Es hat mich dazu angeregt, mich intensiv mit diesem Begriff und den damit verbundenen Erlebnissen auseinanderzusetzen. Deshalb möchte ich meine Erfahrungen in diesem Buch festhalten.»

Hattest du für dich wichtige Erkenntnisse welche du Integrierenden weitergeben möchtest?

Piero grübelt…

«In Bezug auf meine Erfahrungen existiert die Integration nicht! Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch nach seinen eigenen Traditionen und dem überlieferten Erbe lebt. Integration würde bedeuten, dass sich eine Person verändern oder anpassen müsste. Ich stelle in Frage, ob es als Integration gilt, wenn jemand wie Hamza Ibrahim Al-Khalifa Ben Faruk* in traditioneller Kleidung, einem Edelweisshemd, zum Älplerfest/Älplerzmorge geht, aber dennoch seinen Turban aufgrund seiner religiösen Überzeugungen trägt. Oder heisst Integration wenn Jelani Ndulu Chiku Abasi Kwasi Ubaka Mfalme* – aus dem Saharaland – ein ultrabreites Bärndütsch spricht –  ist er deswegen integriert?»

*Namen frei erfunden.

Deine Antwort lässt mich nachdenklich werden, Piero, gibt es die Integration aus deiner Sichtweise?

«Integration kann man nicht erzwingen. Wenn eine Person, die in die Schweiz kommt, ihr Leben im Einklang mit der Schweizer Kultur führen und sich dort wohlfühlen kann, dann ist eine Art von Integration möglich. Dennoch bleibt das ursprüngliche Heimatland für diese Person im Herzen bestehen, und sie wird weiterhin mit ihrer überlieferten und gelebten Kultur verbunden sein.»

Deine Papiere sind Grün wie auch Rot – wie fühlts du dich – hast du jemals das Gefühl gehabt. Farbe bekennen zu müssen?

«In vielerlei Hinsichten fühle ich mich noch grün hinter den Ohren – aber eine gewisser Touch von Rot ist erkennbar… Grundsätzlich bin ich Schwitaliener – situativ von den Kulturen hin und hergerissen und dennoch verfüge ich über einen gesunden Mix aus Grün und Rot.»

Deine langen Schreibarbeiten durfte ich miterleben – begonnen hast du im 2017 – was ziehst du heute für ein Fazit und warum sollen wir dein Buch lesen?

«Eine wundervolle Erfahrung und nun die gedruckte Version meiner niedergeschriebenen Integrationserfahrungen in den Händen zu halten, ist einzigartig. Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, die Akzeptanz der Menschen untereinander, gleich welcher Herkunft, welcher Kultur, welches Geschlechtes, welcher Religion zu pflegen und zu fördern.

Es ist für mich an der Zeit, dass das zwischenmenschliche Verständnis in einer hochdigitalen Welt ebenso mitwachsen sollte wie das Verständnis für eine inkludierte weltweite Gemeinschaft. Unabhängig von unseren Unterschieden sind wir alle gleich – schlicht und einfach Mensch!»